Mal was Anderes

Alles neu macht der – Oktober. Eigentlich nicht neu, aber irgendwie anders ist jetzt mein Blog. Ich habe mich dazu entschieden, ihn nicht mehr bei/über/von WordPress zu hosten, sondern das selbst zu bewerkstelligen. Man kan richtig lesen, dass ich noch keinen richtigen Plan davon habe, stimmt’s? Aber nachdem ich mein Handy gestern schon nicht widerherstellen konnte, wollte ich unbedingt irgendetwas anderes ‚technisches‘ machen. Immerhin habe ich es geschafft, alle Beiträge, Kommentar und sogar meine Follower mitzunehmen 😘

Ab sofort erscheinen neue Beiträge unter meiner eigenen Domain 😻 scullymacyesabi.com

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Die achte Geißel

Gibt es für den modernen Menschen eine schlimmere Plage, als ohne Handy Smartphone zu dance-161444.pngsein? Keine Ahnung. Die Heimsuchung in ‚Die siebte Geißel‘ von Ann Benson ist sehr viel schlimmer – allerdings spielt die Geschichte im 14. Jahrhundertund um die 2000er-Wende, also zu Zeiten, die man mit unseren nicht vergleichen kann. Smartphone (-Verlust) ist eine neue Geißel! Die achte.

 

Scherz beiseite. Ich kann mein Smartphone nicht mehr hochfahren. Backup-Wiederherstellung funktioniert nicht, ich soll auf Werkseinstellungen zurücksetzen. Was?! Ich habe doch erst gestern noch so unwiderbringlich schöne Fotos gemacht! 😩 Wenn ich Glück habe, sind die auf der SD-Karte gelandet. Wieso muss ich eigentlich Ahnung von Technik haben?

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Es ist schlimm. Allerdings… allerdings bin ich erstaunt, wie wenig mich das emotional berührt. Ich bin eher genervt. Oder ärgere mich darüber, dass ich so schöne und wichtige Dinge wie Fotos und Erinnerungen, ‚Gespräche‘ mit Freunden und Ideen in so einem dummen, kleinen, überaus fragilen Kästchen verwahre!

Smartphones sind schon cool. Jeder von uns kann seine eigene kleine Kristallkugel mit sich herumtragen, jederzeit alles nachschauen, überall dabei sein, alles dabei haben. Außer es fährt nicht mehr hoch. Datenverlust. Realitätsverlust?

Manchmal fantasiere ich vor mich hin, wie es wäre, mein Smartphone wegzuwerfen. Stattdessen würde ich mir dann so ein altes, unverwüstliches Nokia 3310 kaufen, und wer was von mir will, soll mir gefälligst ’ne SMS schreiben oder mich anrufen. Oder ich würde  einfach niemandem meine Nummer geben und das Handy nur nutzen, falls ich selbst mal ’nen Notfall habe sollte (so wie das die ‚alten Leute‘ früher… also so vor zehn Jahren, gemacht haben). Wenn ich unterwegs wäre und mir etwas ein- oder auffällt, was ich nachgucken müsste oder wollte, würde ich es mir aufschreiben und erst dann nachschauen, wenn ich zuhause bin und Zeit dafür habe. Internet zuhause reicht doch auch. Ich würde erkennen, wer meine wahren Freunde sind, den entweder würden mich die Leute vermissen, weil der Kontakt nicht mehr minütlich stattfindet, oder sie würden mich vergessen, weil ich aus Augen und Sinn entschwunden bin.

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Mit diesem Cover steht das Buch in meinem Regal. Sehr spannende Geschichte!

Ach. Vielleicht kann ich mein Handy… herrgott ja, Smartphone! doch noch retten. Wie ist das eigentlich in dem Buch nochmal ausgegangen? Haben sie die Pest heilen können? Weiß nicht mehr.

 


Quelle alle Bilder: pixabay.com (Buch privat)

Die Macht der Musik oder Ich werde alt

Wenn man ein Lied, das man damals nur mäßig mochte, feiert (so sagt man das doch heute, oder?) – ganz einfach, weil es einen an FRÜHER erinnert:

Damals, als Handys nur simsen konnten und eine SMS 15 Pfennig gekostet hat, als man den ganzen Nachmittag vor dem Fernseher gesessen hat, wenn die Lieblingsband bei Viva Interaktiv zu Gast war und man hoffte, noch eine leere VHS-Kassette zu finden, auf die man die Deutschlandpremiere des neuesten Musikvideos aufnehmen konnte.

Stereotypen.

Niemand will Stereotypen lesen. Aber jeder liebt sie. Oder wie anders ist es zu erklären, dass wir unsere Mitmenschen ständig in Kategorien einteilen? Warum gibt es bei „Mitten im Leben“ keine ambivalenten Charaktere und warum sind alle Ausländer Messerstecher? Warum sind alle Dicken verfressen und alle Blondinen dumm, alle Griechen faul und alle Anzugträger gewissenlos? Warum hält jeder die anderen für blöd und sich selber für den Meister der Weisheit?

Wo wir in Wirklichkeit so vielschichtig sind: Meine Kollegin, die lieb ist und empathisch und trotzdem keine Flüchtlinge will. Die Bekannte, die Metal hört und bis oben hin tättowiert ist und sich nichts mehr wünscht, als ein Baby. Die eine bestimmte Person, die brav wie ein Lamm ist und dann unerwartet plötzlich in die Luft geht wie die Brausetabletten-Rakete aus dem Yps-Heft.

Was wäre, wenn ich irgendwann ein Buch über mein Leben schriebe. Würde ich es schaffen, die Leute, mit denen ich viel Zeit verbracht habe, ambivalent darzustellen? Sehe ich mehr als nur ein, zwei Persönlichkeitsmerkmale oder habe ich alle längst in Schubladen gesteckt? Was ist mit mir selbst, wie würde ich dabei wegkommen? Sähe ich bei mir nur die guten Eigenschaften, würde ich Schwächen als Stärken verkaufen oder schaffte ich es, mir einzugestehen, dass auch ich Seiten an mir habe, die andere zum Kotzen finden?

Wieviel Toleranz können wir… kann ich aufbrigen, wenn ich einem Menschen plötzlich nicht mehr nur vor den Kopf schaue, sondern er mir seine Gedanken bereitwillig mitteilt? Ein Autor soll auch seinen Antagonisten menschlich darstellen. Als eine Person, die man unter anderen Umständen mögen könnte. Die man vielleicht sogar tatsächlich mag, obwohl man weiß, dass es Dinge an ihr gibt, die man so nicht tolerieren kann.

Denn so sind die Menschen. Sie sind nicht stereotyp. Ein Blick hinter die Fassade kann erleuchten, beglücken, erschüttern. Oft ist er eine Bereicherung, auch wenn die Festen des Glaubens an sich und den Anderen wanken. Zeit, auch in sich selbst zu gehen. Habe ich nicht auch ein stereotypes Bild von mir selbst? Nehme ich mich so wahr, wie ich nach Außen wirke? In welcher Schublade stecke ich? Ist es sicher darin, oder wäre es besser, unberechenbar zu sein?

Nein, nicht unberechenbar. Vielschichtig. Ne Handvoll Shades of Myself, die sich ruhig überlagern und durchschimmern dürfen.

Erschüttert, immer noch. Wegen dem, was sie gesagt hat? Oder meine Reaktion darauf?

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