Wasserjungfer in Nöten

Gestern waren wir am See. Da ich für diesen Urlaub nicht mit Badeaktivitäten gerechnet hatte (und mir Seen als Schwimmgewässer suspekt sind), hatte ich keine entsprechende Kleidung dabei und habe den Tag größtenteils auf der Liegewiese verbracht. Mit T-Shirt und Schlabber-Capri. Ja ich weiß, wie kann man nur! Kurzzeitig hatte ich auch die Befürchtung, dass ich von der Fashion-Police verhaftet werden könnte; aber dann fiel mir ein, dass wir ja nicht in Frankreich sind. Es ist eine Schande, dass dort Frauen gezwungen werden, den Strand zu verlassen, weil sie knöchelbedeckende Sommerhosen, langärmelige Tuniken und eine Kopfbedeckung tragen! Ich bin so froh, dass  hierzulande jeder selbst entscheiden kann, wie viel oder wenig Haut er zeigen mag.

Statt zu schwimmen blätterte ich durch meine mitgebrachte Lektüre oder beobachtete Wasserratten und tierische Anwohner. Enten, Schwäne und Gänse zogen in einiger Entfernung zu den Badegästen ihre Runden – zu Land, zu Wasser, in der Luft. Und Libellen! Kleine und riesengroße, allein oder im Paarungsflug.
Irgendwann wagte ich mich dann doch ins kühle Nass. Da mein T-Shirt lang genug war, um als kurzes Kleid durchzugehen, entledigte ich mich kurzerhand der Caprihose und watete ins hüfthohe Wasser.

Wie war das herrlich! Das glasklare Wasser, der weiche Sand unter meinen Füßen, die sanfte Wellen, die meine Beine umschmeichelten, das Glitzern der Sonne auf der Wasseroberfläche! Manchmal liegt das Glück nicht irgendwo herum, sondern steht – z.B. im Nichtschwimmerbereich eines Seefreibads im Spätsommer.

Beim zweiten Mal wurde ich von meinem schwimmenden Miturlauber auf etwas aufmerksam gemacht, das im abgetrennten Bereich zwischen ‚Nichtschwimmer‘ und dem Ufer auf dem Wasser trieb. Für mich sah es aus wie ein Stück eines blauen Trinkhalms. Mein Freund hatte aber gleich erkannt, worum es sich tatsächlich handelte: Eine kleine Libelle! Da wir nicht wussten, ob Libellen schwimmen können (oder sollten), beugte ich mich hinunter, tauchte meine Hand in das Wasser unter das Insekt, das sich sogleich an meinem Finger festhielt, als ich meine Hand wieder heraus hob. Wir inspizierten das Tier: Beine und Flügel waren alle noch dran! Allerdings schien einer der Flügel auf dem Wasser aufgelegen zu haben; hatte sie deshalb nicht abheben können? Aus einer Eingebung heraus hatte ich dieses Mal mein Handy mit auf meinen Wasserspaziergang genommen. Und so hatte ich Gelegenheit, die kleine blaue Libelle auf meinem Finger zu fotografieren. Ich gebe zu, die Qualität des Fotos lässt zu wünschen übrig – aber das Objekt ist einmalig! Wir beschlossen, das Tier in einen Busch zu setzten – doch es hatte andere Pläne: Noch bevor ich einen Schritt Richtung Ufer machte, flog es davon.

Libellen sind wunderschöne, faszinierende Wesen. Ihre Gestalt ist schnittig, ihre Färbung facettenreich und elegant. Sie haben etwas Mystisches, und es ist leicht nachzuvollziehen, weshalb sie im Englischen dragonfly (‚Drachenfliege‘) genannt werden. Später, als ich wieder an Land in der Sonne lag, sah ich ein Exemplar vorbeifliegen, das um ein Vielfaches größer war, als unser kleiner Kamerad – und obwohl ich weiß, dass Libellen ungefährlich sind, wunderte es mich bei dem Anblick nicht, dass viele Menschen mehr als nur Respekt vor ihnen haben.

Wikipedia schreibt dazu:

Entgegen einem weit verbreiteten Irrglauben sind Libellen ungiftig und können auch nicht stechen, sie sind also für den Menschen völlig harmlos. Alte Namen wie etwa „Teufelsnadel“, „Augenbohrer“ oder „Pferdetod“ kamen durch diese falsche Vorstellung zustande und brachten den Libellen einen schlechten Ruf ein. Wenn eine gefangene, festgehaltene Libelle einem Menschen in den Finger beißt, ist das zwar spürbar, aber in der Regel nicht schmerzhaft. Von sich aus greifen Libellen Menschen niemals an, sondern sind meist scheu und flüchten. Einige große Arten wie die Blaugrüne Mosaikjungfer nähern sich allerdings manchmal neugierig, um den „Revier-Eindringling“ Mensch zu beobachten. Dabei verharren sie per Rüttelflug stehend in der Luft. Manche missdeuten dies als einen Angriff.


Was ich immer noch nicht weiß ist, ob Libellen dann und wann absichtlich baden gehen. War die Rettungsaktion tatsächlich von Nöten gewesen? Meine Recherchen haben diesbezüglich nichts ergeben. Dafür habe ich gelernt, wie man die Insekten früher nannte: Wasserjungfern. Klingt hübsch, oder? Viele Arten tragen diese Bezeichnung noch als offiziellen Namensbestandteil. Meinen stümperhaften, wikipediagestützten Bestimmungsversuchen nach könnte die kleine schwarz-blaue Libelle eine Art der Azurjungfern oder eine Becherjungfer gewesen sein.

Natur (Corlys Themenwoche)

Da ich zur Zeit urlaube, hat sich in meinem Reader mal wieder eine längere Liste interessanter Artikel angesammelt. So wie die vor 3 Tagen gestellte Frage zu Corlys Themenwoche Natur:

In was für Filmen/Serien/cher findet ihr die Natur besonders gut?

Mein erster Gedanke bei Serien: OUTLANDER. Die schottischen Highlands, so rau und grün, die Wälder, die Lochs und das Meer…

Äquivalent dazu Feuer und Stein und fortfolgende Bücher. Von Schottland in die exotische Karibik, weiter nach Nordamerika. Die Natur wird beim Lesen so lebendig, dass man seine Sachen packen und Jamie  & Claire nachreisen möchte – aber ohne die Widrigkeiten, moderne Annehmlichkeiten optional. 😉

Und da wir gerade von Nordamerika sprechen, kann ich ja noch erzählen, in welchen Büchern mir die Natur ebenfalls besonders gut gefallen hat: Winnetou I – III. Soweit ich mich erinnere, kommen in den Filmen die grüne Vegetation und vor allem die Nadelbaumwälder  sehr zu kurz – dabei habe ich gerade die so sehr geliebt. ❤

Buchdeckel der klassischen Ausgaben (ab 1893) von Winnetou I bis III

Mir fällt auf, dass mir nicht viele Bücher mit toller Natur einfallen. Spielen die anderen, die ich kenne, eher in Städten oder Gebäuden, oder die Natur darin   einfach keine große Rolle? Vielleicht mal ein Anlass, endlich die Bücher von Barbara Wood zu lesen. Mit Filmen brauche ich ja gar nicht erst anzufangen, außer Herr der Ringe fällt mir da gar nichts ein. Darin allerdings sind die Aufnahmen atemberaubend. (Naturdokus zählen nicht, nehme ich an…)

Hexenstein

Heute spontan eine schöne Wanderung gemacht. Durch das spätsommerliche, wunderschöne Sauerland durch den Wald, über Berghöhen, mit der schönsten Aussicht, die man sich nur vorstellen kann. Wir haben einen ‚mystischen‘ Ort hier in der Gegend besucht, an dem ich in all den Jahren noch nicht selbst war. Heute aber schon – und vor lauter Aufregung und Entzückung habe ich gar nicht daran gedacht, Fotos zu machen oder die Route per runtastic zu tracken. Aber das ist kaum ärgerlich. Eigentlich ist es schön, solche Eindrücke „wie früher“ einfach nur mit allen Sinnen aufzusaugen, statt durch das Display eines Smartphones.

*

Mein Bruder stellte das Auto am Waldrand ab. Weiter links stand auf einer Wiese ein Windrad. Wir folgten einem kurzen Stück asphaltierten Feldweg und bogen dann rechts in den Wald. Fichten und Buchen, hier und da eine Eiche, wunderbarer Waldbodenduft. Wir folgten dem Weg, kamen aus dem Wald heraus, liefen an einer kleinen Fichtenschonung vorbei. Links dahinter sahen wir immer noch die Flügel des Windrads, die uns daran erinnerten, wo das Auto stand. Wir gingen weiter, schauten weit über das Land. Das Land der tausend Berge, alle bewaldet, dazwischen hellgrüne Täler. Der steinige Weg ging leicht bergab, von hier aus konnte man das Windrad nicht mehr sehen, und führte uns an eine Kreuzung. Erneut genossen wir die Aussicht. Grün, natürliches Grün, hat ja eine beruhigende Wirkung – und wir sahen hier alle Schattierungen dieser wundervollen Farbe. Wir hielten uns links. Wieder in den Wald. Mannshohe Disteln, ein großer, leopardengetupfter Schmetterling. Dann dunklerer Wald und weiches Moos, in dem Spinnen in mit Spinnfäden ausgekleideten Höhlen auf ihre Opfer warteten. Die Dinger sind winzig und da wir keine Angst (na ja, nicht wirklich) vor ihnen haben, versuchten wir, in die Löcher hineinzuluken, um die Spinnen darin zu sehen. Zwei, dreimal haben wir dünne, braune Beine entdeckt, die sich aber schnell zurückzogen, sobald sie bemerkten, dass da etwas großes (wir^^) vor ihrem Hauseingang stand. Wir gingen weiter, immer bergan. Hier dunkler Fichtenwald, auf der anderen Seite des Weges Laubwald, durch den die Sonne schien. Auf dem Weg, zwischen all den grauen Steinen, erregte etwas helles, mit Grünspan überzogenes, unsere Aufmerksamkeit. Ich hielt es für einen Knochen und hob es auf. Tatsächlich, ein flacher Knochen, der an Eisbein erinnerte. Als wir weitergingen, kamen wir an einem alten, morschen Baum vorbei, an dem mehrere große Schwämme wuchsen und der von Spechthöhlen übersät war. Wir traten wieder aus dem Wald heraus und fanden uns auf einer lichten Anhöhe. Links und rechts wucherten kleine Fichten und Brombeergestrüpp, am Wegesrand auch Heidekraut. Bis Januar 2007 musste hier noch dichter Wald gewesen sein, doch dann wütete der Orkan Kyrill über Europa. Hier im Sauerland sind ihm sehr viele Waldflächen zum Opfer gefallen.* Aber auch diese ’neue‘ Landschaft war sehr schön, wir sahen eine Pflanze, auf deren Blüten sich viele Schmetterlinge und Bienen niedergelassen hatten, um Nektar zu sammeln und sich zu sonnen. Nach einer langgezogenen Kurve kamen wir wieder zu einer Kreuzung. Wir waren nun seit gut einer Stunde unterwegs und laut dem Wegweiser waren wir am Ziel angelangt, am Hexenstein. Aber wo war er? Rund um den Wegeweiser nur hohes Gras und Brombeeren. Es war frustrierend. Es konnte doch nicht sein, dass das Ziel unserer Wanderung überwuchert worden war!

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So sah es vor ein paar Jahren am Hexenstein aus.
(Bild: www.serkenrode.de)

Im hohen Gras konnte man einen kleinen Pfad erahnen, dem ich wenige Meter folgte. Ich fand nur eine plattgedrückte Stelle im Gras, vermutlich der Ruheplatz eines Rehs. Die Wanderung war trotz allem schön, ich nahm mir vor, nicht enttäuscht zu sein. Mein Bruder schlug vor, noch ein wenig weiterzugehen. Er war schon zweimal hier gewesen und war sich sicher, dass der Stein nicht neben einer Kreuzung lag. Wir folgtem dem Weg also weiter. Doch wir kamen nicht einmal fünf Meter – da sahen wir, genau neben dem Weg, den Hexenstein. Oder Predigtstein, wie es das Schild neben ihm sagt. Rund um ihn herum hohes Gras, Brombeerbüsche und neu gepflanzte Buchen. Ich hatte schon oft von diesem Stein gehört, der in alter Vorzeit als Podest für Waldprediger gedient haben soll, bevor ihn angeblich ein Bauer auf seinen Hof gebracht hatte – wo der Stein die Fußabdrücke eines Kindes, einer Kuh, eines Kalbs und eines Hahns erhalten habe – und danach wieder zu seinem angestammten Platz gebracht worden sein soll. Legenden faszinieren mich, deshalb wollte ich ihn endlich mit eigenen Augen sehen. Ich wurde nicht enttäuscht, dieser flache Stein mit seinen seltsamen Einkerbungen an diesem abgelegenen Ort hat etwas an sich. Und es fühlte sich an, als hätte er uns prüfen wollen, ob wir, nachdem wir zuerst geglaubt hatten, ihn nicht gefunden zu haben, dennoch noch guten Mutes waren. Wir verweilten kurz und gingen dann die wenigen Meter zur Kreuzung zurück. Dort nahmen wir den mittleren Weg, der uns über einen sonnigen Feldweg und dann wieder in den Wald führte. Nach nur zehn Minuten waren wir wieder am Auto. Uns wurde klar, dass wir einen völlig überflüssigen Umweg gemacht hatten, weil wir von Anfang an in die falsche Richtung gegangen waren. Wir bereuen es nicht.


*) Deshalb auch meine Antwort auf Corlys Themenwoche 21.5.: Unwetter: Welches reale Unwetter ist in Erinnerung geblieben? – Kyrill.

Blog mal wieder

Schon wieder acht Tage her, dass ich hier zuletzt was geschrieben habe? OMG!
In meinem Reader überschlagen sich Posts und Notifications, auf den neuesten Stand zu kommen wird etwas Zeit in Anspruch nehmen. Apropos Zeit – habe ich nur wenig im Augenblick. Mein Rechtschreibbuch habe ich noch nicht durcharbeiten können. Im Augenblick schreibe ich mehr, als dass ich lese, trotz des schönen Wetters. Obwohl, so ganz stimmt das nicht, ich lese auch ziemlich viel, meist irgendwelche Websites zu recherchezwecken – was, wie jeder schon selbst erlebt hat, manchmal zu kuriosen Abschweifungen führen kann (ich sag nur: von Hölzchen auf Stöckchen).

 

Ja, jedenfalls habe ich mich heute dann mal spontan dazu entschlossen, mich doch mal kurz bei WordPress einzuloggen, und siehe da: Ich habe Geburtstag! ^^

Also mein Blog.

Heute vor einem Jahr habe ich diesen Blog registriert und dann angefangen, meine Ideen rund ums Schreiben (u.a.) hier festzuhalten. Ursprünglich hatte ich hier nur die Blogposts aus meinem Schreibwerkstatt-Blog rüberkopiert, um das ganze auch noch irgendwie außerhalb des Forums zu haben. Nachdem die Schreibwerkstatt nun erstmal pausiert, ist das hier mein offizielles Blogzuhause geworden. Es ist sehr schön hier, man trifft immer auf nette Nachbarn, die über ähnliche oder ganz andere Dinge bloggen. Die meisten sind dabei viel professioneller als ich, schreiben regelmäßig und bieten in ihren Artikel richtig Mehrwert, Information und Unterhaltung. Es macht einfach Spaß!

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Den Glitter habe ich mir selbst geschenkt 😉