Die Macht der Musik oder Ich werde alt

Wenn man ein Lied, das man damals nur mäßig mochte, feiert (so sagt man das doch heute, oder?) – ganz einfach, weil es einen an FRÜHER erinnert:

Damals, als Handys nur simsen konnten und eine SMS 15 Pfennig gekostet hat, als man den ganzen Nachmittag vor dem Fernseher gesessen hat, wenn die Lieblingsband bei Viva Interaktiv zu Gast war und man hoffte, noch eine leere VHS-Kassette zu finden, auf die man die Deutschlandpremiere des neuesten Musikvideos aufnehmen konnte.

Jamie, Claire und der verschollene Kommentar

Vor einigen Jahren – lass es 2010 oder 2011 gewesen sein, möglicherweise auch zwei Jahre später – las ich in einem Bücherblog eine Kritik über Feuer und Stein. Die Bloggering schrieb, dass das Buch etwas zu langatmig sei und ihr nicht so gut gefallen habe – jedenfalls nicht so sehr wie gehofft. So ganz genau kann ich mich nicht mehr an ihre Rezi erinnern, wohl aber, dass ich danach nicht anders konnte, als einen langen und flammenden Kommentar darüber zu schreiben, warum Feuer und Stein das beste Buch aller Zeiten ist.

Nun, damals war das Buch – oder besser gesagt, die Buchreihe, denn als ich den Kommentar schrieb, war Diana Gabaldon gerade dabei, Buch Acht der Highland-Saga zu schreiben – noch so etwas wie ein Geheimtipp. Zwar waren bereits Millionen von Leserinnen und Leser weltweit der wunderbaren Geschichte um Jamie und Claire verfallen, ich persönlich kannte jedoch kaum jemanden in meinem näheren Umfeld, der das Buch ebenfalls gelesen hatte. Der Grund könnte, ähnlich wie bei der Bloggerin, sein dass viele jüngere Leser (unter 25) mit der detailliert recherchierten Historie Schottlands, den extrem bildhaften Gewaltszenen, dem vielen Sex und der Tatsache, dass dieses Buch zwar ein nicht zu leugnendes Fantasy-Element, aber keinerlei Elfen, Orks oder Zwerge bietet, etwas überfordert sind. Vielleicht auch deshalb, weil der Verlag, der das Buch in Deutschland zuerst veröffentlichte, Jamie Fraser etwas peinlich als den „Harry Potter der erwachsenen Frauen“ anpries, und das einzig, weil das Buch in den USA ebensoviele fanatische Fans hatte, wie hierzulande der Zauberschüler aus Hogwarts. Ja, so war das eben Ende der Neunzigerjahre. An Twighlight oder Shades of Grey war da noch nicht zu denken. Ich selbst war 17 Jahre alt, als ich Feuer und Stein zu lesen angefangen hatte und musste nach einem Fünftel des Buchs eine fast zweijährige Pause einlegen, bevor ich es – wohl irgendwie reifer geworden in der Zeit – in einem Zug zu Ende las. Seitdem bin ich Jamie und Claire verfallen, bin Diana Gabaldon und ihrer deutschen Übersetzerin Barbara Schnell zweimal begegnen dürfen, habe alle Bücher gelesen und kann mir nicht vorstellen, dass mich jemals wieder eine andere Autorin mit einer Geschichte so flashen wird.*

Feuer und Stein ist Outlander – Ein Buch geht in Serie

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Mittlwerweile schreiben wir das Jahr 2016. Jamie und Claire haben eine Menge neuer Fans dazugewonnen, auch in Deutschland. Denn Buch Eins wurde unter dem Titel des englischen Originals OUTLANDER als Serie verfilmt. Was habe ich mich damals gefreut, als dieses Vorhaben erstmals bekannt wurde! Das war zu der Zeit, als ich den oben erwähnten Kommentar verfasste. Gleichzeitig war ich besorgt, dass die Serie schlecht und der Story nicht gerecht werden würde. Wie sich herausgestellt hat, war diese Angst unberechtigt. Bereits vor vielen Jahren hatte Diana Gabaldon gesagt, dass sie zwar bereits viele Angebote zur Verfilmung erhalten habe, aber das für sie ganz und gar nicht in Frage käme. Wenn überhaupt, gebe sie nur zu einer mehrteiligen Serie die Zustimmung und auch nur dann, wenn sie selbst dabei beratend tätig sein dürfe. Im Herbst 2014 liefen die ersten acht Folgen der ersten Staffel in den USA über den Äther und ein halbes Jahr später folgte die Erstausstrahlung in Deutschland, gefolgt von den nächsten acht Folgen ein paar Monate später. Jetzt im Augenblick, dem Sommerloch sei Dank, wird die erste Staffel auf Vox wiederholt und dieses Mal – korrigiert mich, wenn ich falsch liege – ungeschnitten. Zu kaufen gibt es die Serie natürlich auch längst und wurde für den Golden Globe nominiert. Voraussichtlich im September wird dann die zweite Staffel im Free-TV bei uns laufen. Zweite Staffel bedeutet übrigens auch zweites Buch, das auf Deutsch unter dem Titel „Die geliehene Zeit“ erschienen ist. Ronald D. Moore, der Produzent der Serie, hat es sich zum Ziel gemacht, alle Bücher der Serie zu verfilmen. Diana Gabaldon schreibt übrigens gerade an Buch Neun.

Und was ist jetzt so toll daran?

56708-outlander--starz--sam-heughan-menzisDie Serie ist verdammt nah dran an der Buchvorlage. Es gibt ein paar Änderungen hier und da aus drehtechnischen Gründen. Aber nichts, was von Bedeutung ist, wird weggelassen, wie es bei mancher Verfilmung der Fall ist (ich erinnere mich mit Schrecken an den TV-Zweiteiler von Die Nebel von Avalon). Dem Produzenten (übrigens der Ronald D. Moore, dem wir Battlestar Galactica, Mission Impossible: II und einige Star Trek-Serien zu verdanken haben), ist es sehr wichtig, diese im 18. Jahrhundert spielende Geschichte authentisch darzustellen. Das ganze Setting, die Sprache der Schauspieler, die Effekte sind absolut glaubhaft. Mit größtmöglicher Liebe zum Detail werden die Kostüme von seiner Ehefrau Terry Dresbach, die bereits für viele erfolgreiche Hollywoodproduktionen als Kostümdesignerin tätig war, entworfen. Erst kürzlich erschien ein Artikel in der englischsprachigen Ausgabe der ELLE,  der erklärt, warum die Kostüme in Outlander so anders und gerade die erotischen Szenen dadurch um ein Vielfaches verführerischer sind, als bei Kleidung und Kostümen, die wir aus den üblichen zeitgenössischen und, nun ja – das ist meine persönliche Wortwahl – pseudo-historischen Filmen kennen. Die Authentizität ist überall spür- und sichtbar: An dem Dreck unter den Fingernägeln der Charaktere, an ihrer Art zu reden – die Schotten sprechen mitunter Gälisch, was nicht untertitelt wird – an dem Hass zwischen Engländern und Schotten, an der Brutalität der Kamfpszenen.

Wovon Outlander handelt

Das will ich nicht verraten, das tun tausende anderer Blogs und Website im Augenblick zur Genüge. So langsam kommen Jamie und Claire im Mainstream an, immer mehr wird über die Serie, aber auch über die Bücher berichtet. Fast schon bin ich eifersüchtig, dass ich meine Liebe nun mit so vielen anderen teilen muss, die nicht von selbst darauf gekommen sind, sondern erst jetzt auf Feuer und Stein Outlander aufmerksam werden. Das ist kindisch, weiß ich selbst. Die Serie ist, genau wie das Buch es lange Zeit war (und vielleicht immer noch ist?), trotz des wachsenden Interesses noch immer so etwas wie ein Geheimtipp. Kein Hype wie bei Downton Abbey oder Game of Thrones. Allerdings ist George R.R. Martin, der Schöpfer von Das Lied von Eis und Feuer, also dem Buch, auf dem Game of Thrones basiert, ein großer Outlander-Fan. Erst kürzlich bedauerte er auf seinem Blog (bitte hier einmal durch die Kommentare scrollen), dass die Serie verdiente Emmy-Nominierungen nicht erhalten habe. Ich sage nur so viel: Wer auf History – und hier meine ich wirklich Geschichte, insbesondere die des 18. Jahrhunderts -, auf Action, tolle Landschaftsaufnahmen, Schottland und ein wenig Romantik steht (und zwar in einem Maß, in dem auch Männer sie ertragen können), sollte auf jeden Fall einen Blick ins Buch oder in die Serie wagen. Die Serie läuft derzeit (seit dem 13.07.) zur Primetime auf Vox (immer zwei Folgen!) und, soweit ich weiß, auch jederzeit abrufbar auf Amazon Prime. Outlander ist übrigens die einzige Fernsehserie, bei der mich bereits der Titelsong zutiefst berührt.

 

Ach ja, den Kommentar von damals hätte ich gerne hier gepostet. Allerdings kann ich mich nicht mehr erinnern, wie der Blog heißt und selbst eine tagelange Recherche nach Bruchstücken von dem, an was ich mich aus meinem Kommentar noch erinnere, hat nichts ergeben. Wahrscheinlich gibt es mittlerweile einfach viel zu viele Rezitationen zu Feuer und Stein, oder der Buchblog existiert gar nicht mehr. Vielleicht stolpert ja jemand mal versehentlich darüber, ich würde mich dann über einen Hinweis freuen. Denn besser, als ich es damals in Worte gefasst habe, warum Feuer und Stein, die Geschichte von Jamie und Claire, die beste aller Zeiten ist, kann ich es vermutlich nie wieder tun.


*) Rebecca Gablé ist mit ihrer Waringham-Saga ziemlich nah dran