Heute vor einem Jahr

Letztes Jahr um diese Zeit war ich unglaublich produktiv und habe voller Elan geschrieben und mit der Schneeflockenmethode meine Geschichte geplottet. Diesen emsigen Status möchte ich wieder erreichen! Was könnte meine Motivation mehr anfeuern als mein Blogpost vom 16.9.2015 – Rettet das Dorf! Holt einen Eimer!

 

Während die Waschmaschine lief

So langsam finde ich mich gedanklich wieder in mein Projekt „W.G.“ ein. Während gestern morgen die Waschmaschine lief, befasste ich mich mit zwei Punkten:

Erstens: Was für ein Problem haben mein Prota- und der Antagonist wirklich miteinander – vom offensichtlichen mal abgesehen? Denn einzig, dass der eine eher Rot-Grün und der andere eindeutig CDU wählen würde, macht sie ja noch nicht zu Gegenspielern. Nein, wir brauchen da noch eine schöne, persönliche Komponente; einen alten Stachel, etwas Salz und eine schlecht verheilte Wunde. Ein Ereignis, das zwei Menschen, die auch sehr gut Freunde hätten sein können, aufs schicksalshafteste zu Feinden macht. Ein Hindernis, das nicht zu überwinden ist, ohne einen von beiden unterliegen zu lassen.

Zweitens: Ich muss mir eine Vokabelliste anlegen, für den Jargon dieses gewissen Hobbys, dem so viele meiner Charaktere nachgehen.

Alle Überlegungen bzw. Notizen wurden in mein kleines Büchlein geschrieben und anschließend fotografisch in Evernote abgelegt. Ich habe mir diese App vor ca. zwei Wochen runtergeladen, als mir bewusst wurde, dass ich wieder „was Richtiges“ schreiben will. So ganz sicher bin ich mir noch nicht, wie ich damit arbeiten kann, aber als Platz für Notizen und Dateien ist das Ding schon mal nicht schlecht.

Immerhin, ich schreibe.

Guck einer an: Der dritte Tag in Folge, an dem ich schreibe. Und zwar meinen Kram, meine Gedanken, keine leistungs- oder erfolgsorientierten Phrasen. Ich schreibe für niemanden außer für mich, weshalb den letzten Teil des zweiten Satzes auch niemand außer mir nachvollziehen kann. Juchu, ich schreibe! Ich freue mich wirklich, denn das ist es, was ich brauche: Schreibroutine, jeden Tag ein paar Wörter. Schreibfluss für noch ein paar Wörter mehr. Keinen Druck, ob alles richtig ist oder man das wirklich so sagen kann.

Und kaum denke ich über den Sinn dessen nach, geht nichts mehr.

B L O C K A D E . :groggy:

Befindlichkeit.

Zunächst einmal: Ich fühle mich asslig.
Gut, ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, was dieses Adjektiv bedeutet, aber es klingt sehr nach meinem Befinden. Der Arbeitstag war nervig, die Mittagspause zu kurz, das Wetter ist zu heiß, morgen ist Wochenende, jedoch nicht für mich. Eine seltsame Nachricht hat mich heute erreicht und überhaupt ist grad alles bäh. Asslig.

Und zu allem Überfluss kann ich meinen Enthusiasmus von gestern schon gar nicht mehr nachvollziehen. Die „Tassen“ einreichen für einen Wettbewerb? Lächerlich. Mit den Charakteren? Dieser dünnen Story? Ich fühle mich wie der Pinanist aus der Sesamstraße, der vor lauter Verzweiflung über ein nicht gelingendes Werk seinen Kopf heftigst auf die Tasten haut, sodass ihm die Brille von den Ohren fliegt. Genau das möchte ich jetzt tun. Allerdings wirkt das Drama nicht, wenn´s keiner sieht.

Mein Plan war, mich heute Abend hinzusetzen, und den Inhalt der Story zu Ende zu schreiben. Einfach nur den Stoff runterschreiben, von Anfang bis Ende. Doch plötzlich wird mir klar, dass das Ende dumm ist. Strunzdumm. Nicht mal niedlich-dumm oder ironisch-dumm. Sondern einfach nur bescheuert, langweilig und freaky. Asslig.

Ich hasse es, wenn so etwas passiert: Ernüchterung. Und nun? Weitermachen, hart arbeiten und der Geschichte ein vernünftiges Ende abringen? Oder sein lassen? Sein lassen klingt verlockend… Ich hardere. Mit meiner Geschichte, meiner Motivation und mit mir.

Mir dämmert, dass ich nicht dahinter stehe. Die Idee ist zwar originell, es gäbe auch einen Konflikt, naja… ein Konfliktchen. Aber die einzige Lösung, die ich mir derzeit dafür vorstellen könnte, ist banal. Was will man auch von einer Geschichte erwarten, die dem rachelüsternen Gehirn einer 22-Jährigen entsprungen ist, um die Ehre ihrer besten Freundin zu verteidigen, zu Zeiten, als man für die Installation von Internet auf seinem PC noch nen Ingenieursabschluss brauchte und SMS aus nicht mehr als 160 Zeiten bestehen durften. Verdammt ja, ich ich weiß, dass Twighlight bzw. Die „Bis(s)“-Trilogie auch Anfang der 2000er spielt. Aber der Stoff ist einfach dicht, die Charaktere super und überhaupt. Mein Gott, was ist das überhaupt für ein Vergleich!? Ich schnappe über – bestimmt, weil´s immer noch so heiß ist.

Und da ist ja immer noch mein Herzensprojekt. Das, bei dem ich schon viel weiter bin. Das, das einen Konflikt, tolle Charaktere, einen richtigen Antagonisten hat und etwas wertvolles, das auf dem Spiel steht. Das ein Ende hat, das ich schon kenne. Das aber nicht in den Wettbewerb passt. Blöder Wettbewerb. Der hat mich ins Wanken gebracht. Versuchung, asslige!