14 Wochen bis Weihnachten

Vor gut drei Wochen wurden bei annähernd 30 Grad und strahlendem Sonnenschein die ersten Zimtsterne und Dominosteine angeboten. Vergangene Woche, als es fast unerträglich heiß war, habe ich in einem Geschäft sogar schon Weihnachtsdeko entdeckt. Es gibt ja Menschen, die sich über Weihnachtskram so früh tierisch aufregen können. Ich gehöre nicht dazu, ich finde es lediglich amüsant.

Aber heute bin ich fast froh, dass sich das Wetter endlich glaubhaft herbstlich zeigt, so mit buntem Laub, grauem Himmel und kühlem Wind, weil die Vorstellung, dass es nur noch 98 Tage bis Heiligabend sind, dann umso leichter fällt. Die Kastanien sind bereits reif und warten darauf, von fleißigen kleinen Händchen aufgesammelt zu werden. Bald werden Eicheln und Haselnüsse folgen und die Eichhörnchen werden sich daran machen, so viele wie möglich davon für den Winter zu verstecken.

Es ist gar nicht so absurd, jetzt schon an den Winter und an die Weihnachtszeit zu denken. Ich möchte Selbstgemachtes verschenken und viel backen. Nur noch 14 Wochen, nur noch 98 Tage. Es wird Zeit, Pläne zu machen.

img_20160917_154423.jpg

Advertisements

Zum 4. Advent

Zu diesem Artikel empfehle ich eine Tasse heißen Kakao: Spürt den Geist der Vorweihnachtszeit.

Flüchtlinge erleben ihr erstes Weihnachten in Deutschland – DIE WELT mobil

http://m.welt.de/politik/deutschland/article150108488/Weihnachten-fuer-Anfaenger-und-mancher-wird-Christ.html

Zum 2. Advent

Martin will einen Hund

von Sabiye Cam (Dezember 2015)

„Hast du je etwas Niedlicheres gesehen?“, fragt Martin, der sich mal wieder Bilder im
Internet anguckt. Er will auch so einen kleinen Hund, den er in lustige Weihnachtskostüme
stecken kann.
Alex findet das nicht gut: „Wegen solchen Leuten sind die Tierheime nach den
Feiertagen überfüllt!“
„Aber nicht wegen mir“, sagt Martin, „denn ich würd’ für meinen Hund das ganze Jahr
über sorgen. Immer!“
„Ha!“ Alex ist skeptisch. „So, wie für deine Urzeitkrebse?“
Martin guckt böse. Das mit den Urzeitkrebsen war nicht seine Schuld. Alex hatte sie am
offenen Fenster stehen lassen, mitten im Januar. „Du weißt ganz genau, dass ich nichts
dafür konnte“, sagt Martin.
Alex zuckt mit den Schultern. „Das waren deine Tiere, ein Weihnachtsgeschenk! Du
hättest mir sagen müssen, dass sie keine frische Luft vertragen.“
Martin ist sauer: „Du bist wie meine Mutter! Die kann auch keine Fehler eingestehen.“
„Wie deine Mutter?“ Alex steht auf, Hände in die Hüften gestemmt. „Tja, was kann ich
für dein Beuteschema!“ Sie starren sich an.
Martin gibt auf, er seufzt. „Zurück zum Thema: Ich bin ein erwachsener Mann! Ich
arbeite und verdiene Geld. Wenn ich will, kann ich mir sofort einen Hund anschaffen. Aber
ich rede mit dir darüber, weil man das in einer Partnerschaft so macht.“
„Gutes Argument“, sagt Alex. „Ich bin nämlich auch erwachsen und habe einen Job.
Wer
passt denn auf den Hund auf, wenn wir beide arbeiten sind?“
Martin ist gelassen. „Kein Problem, ich nehme ihn mit. Könnte auch mal weniger
Stunden machen, mein Chef kommt mir da entgegen.“
„Aha?“ Alex’ Augen werden groß. „Flexible Arbeit, Verantwortung, Zeit – wie wä’s, wenn
wir dann mal über Kinder reden?“
„Ach komm“, sagt Martin und zwickt Alex’ schmale Taille. „Wer sollte das Kind denn zur
Welt bringen?“
„Na du sicher nicht!“, schnaubt Alex.
„Alexa…!“,
ruft Martin noch, ist aber längst allein Zimmer. Dann zick´ halt rum!, denkt er.
Am nächsten Morgen wacht Martin auf. Auf der Couch eingepennt, na toll! Aber
wenigstens hat Alex ihn zugedeckt. Alex… Martin liebt Alex und möchte nicht mehr
streiten. Mit Frühstück im Bett will er seinen Schatz überraschen. Er schlurft in die Küche.
Auch Alex erwacht. Die Nacht war unruhig. Es ist ungewohnt, allein im großen Bett zu
schlafen. Nachts noch aufgestanden und Martin zugedeckt. Martin… Alex liebt Martin und
möchte nicht mehr streiten. Mit Frühstück im Bett will er seinen Schatz überraschen. Na
ja, oder mit Frühstück auf der Couch. Er schlurft in die Küche. Dort brennt das kleine Licht
über dem Herd, der Ofen heizt vor, die Kaffeemaschine läuft. Auf dem Tisch steht ein
Tablett, gedeckt für zwei, mit einem Schokoladennikolaus. Als er in den Flur schaut, sieht
er Martin in der Haustür hocken. Er holt die Sonntagszeitung rein, denkt Alex.
Doch Martin steht nicht auf. Er verharrt regungslos.
Alex geht zu ihm. „Was ist los?“ fragt er.
Martin schaut zu ihm hoch. Sein Blick wirkt flehend. In den Händen hält er einen
seiner großen, gefütterten Winterschuhe, die er gestern draußen hat stehen lassen. Darin
liegt ein graues Kätzchen.
Alex spürt Kälte sein Herz umklammern. „Ist es tot?“, flüstert er. Da öffnet das
kleine Ding seine Augen, räkelt sich und gähnt. Eine Welle von Wärme überrollt Alex.
„Hast du je etwas Niedlicheres gesehen?“, fragt er.
Martin schüttelt den Kopf – und strahlt.

 

christmas-cat-and-dog